Der Maulwurf

Der Name des Maulwurfs geht auf den althochdeutschen Begriff „Moltewurf“. „Molte“ bedeutet übersetzt „Erde“ und wurde von den damaligen Namensgebern mit seinem Lebensraum unter der Erde in Verbindung gebracht.

Biologische Einordnung und Leben der Maulwürfe

Insgesamt sind weltweit 35 Maulwurfsarten bekannt, die sich auf die Kontinente Europa, Asien und Nordamerika verteilen. Der lateinische Fachbegriff für den Maulwurf lautet „Talpidae“ und die einzige Art, die in Europa beheimatet ist, heißt „Talpa europea“ der europäische Maulwurf. Das Verbreitungsgebiet des europäischen Maulwurfs erstreckt sich nahezu über den gesamten Kontinent von Frankreich im Westen bis Russland im Osten. Einzig auf der irischen Insel und in den südlichen Gegenden rund um das Mittelmeer kommt der Maulwurf nicht vor. In Irland ist dieses Nicht-Vorkommen mit der Lage als Insel zu begründen, in Südeuropa findet der Maulwurf nicht den für ihn optimalen Lebensraum. Maulwürfe leben gerne in Kulturländern mit weichem Boden und einer üppigen Vegetation. Auch in Höhen bis zu 2.400 Metern sind in den Alpen noch Maulwürfe anzutreffen.

Der Körperbau des Maulwurfs

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Körperbau des Maulwurfs: Walzenförmiger Körper, spitze Schnauze. (© Slimguy unter Creative-Commons-Lizenz CC BY-SA 4.0)

Der Maulwurf ist ein kleines Säugetier, das den Großteil seines Lebens unter der Erde verbringt. Er lebt in einem weit verzweigten Netzwerk aus Höhlen und Gängen und verlässt dies, außerhalb der Paarungszeit, nur sehr selten. Charakteristisch für den kleinen, unterirdisch lebenden Gräber sind die schaufelartigen Vorderpfoten, mit denen er seine Gänge in den Erdboden treibt. Um die Effektivität des Grabens zu erhöhen sind die Innenflächen der vorderen Pfoten nach außen gedreht. Die hinteren Pfoten nutzt der Maulwurf, um seinen kleinen, walzenförmigen Körper in seinen Gängen voran zu schieben und angefallenes Aushubmaterial vom Graben hinter sich zu befördern.

Charakteristisch für den Maulwurf ist ein schwarzes bis graues, samtiges Fell, das seinen kompakten Körper überzieht. Das Besondere am Fell des Maulwurfs ist, dass es über keinen Strich verfügt. Das bedeutet, dass es sich problemlos nach vorne und nach hinten aufstellen lassen kann. So kann der Maulwurf ungehindert, vorwärts und rückwärts, durch seine Gänge kriechen. Der Übergang vom Kopf zum Körper erfolgt direkt, ohne, dass ein Hals von außen erkennbar ist. Die Spitze seines Kopfes bildet eine kleine Stupsnase, mit der Beutetiere erschnüffelt. Die Tasthaare am Kopf helfen ihm dabei, sich unter Tage in der Dunkelheit zurechtzufinden. Ein ausgewachsener Maulwurf kann bis zu 17 Zentimeter groß und ca. 120 Gramm schwer werden. So klein der Maulwurf auch ist, so stark ist er auch. Die ausgeprägte Muskulatur erlaubt es ihm, das bis zu 32-fache seines Körpergewichts zu bewegen.

Der Maulwurf verbringt den größten Teil seines Lebens unterhalb der Erdoberfläche

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Seltener Anblick: Maulwurf an der Erdoberfläche.

Der Maulwurf kann trotz seiner geringen Größe viel Erde bewegen und so sein Revier auf eine durchschnittliche Größe von 300 bis 400 Quadratmetern ausbauen. Dies reicht ihm, um in Gegenden mit einem üppigen Nahrungsangebot, wie zum Beispiel Laubwäldern oder feuchten Wiesen, optimal zu überleben. In Gebieten mit einem eingeschränkten Nahrungsangebot können die Reviere des Maulwurfs bis zu 5.000 Quadratmeter groß sein. Dies hängt vor allem damit zusammen, dass Maulwürfe ihren Nahrungsbedarf mindestens alle 24 Stunden decken müssen. Schaffen sie dies nicht, sterben sie.

Pro Tag müssen sie in etwa 60 bis 120 Gramm Nahrung, was in etwa ihrem eigenen Körpergewicht entspricht, zu sich nehmen. Auf ein Jahr hochgerechnet entspricht dies einem gesamten Bedarf von 20 bis 30 Kilogramm Nahrung. Die Jagd des Maulwurfs erfolgt hierbei zu großen Teilen in seinen Gängen unter Tage. Er kann minimale Geräusche und auch Temperaturschwankungen in seinen Gängen wahrnehmen und wittert so, wenn ein Beutetier in sein System aus Gräben eindringt. Mit Hilfe seiner Tasthaare orientiert er sich und kann somit den Weg zur Beute finden. Seine feine Nase unterstützt ihn hierbei.

Nahrung

Auf dem Speiseplan des Maulwurfs stehen allerhand kleine Tiere, die sich in seinem Grabensystem verlaufen. Dies können Ameisen, aber auch kleine Mäuse sein. Alles, was sich in die Gänge des Fleischfressers verlaufen kann, kann ein potenzielles Beutetier sein. Sollte sich einmal kein Beutetier in die Gänge verlaufen, so gräbt der Maulwurf auch aktiv nach Beute. So stößt er auf Larven, die an Wurzeln knabbern, oder Regenwürmer.

Regenwürmer sind die Leibspeise Nummer eins des Maulwurfs. Diese lagert er auch in großen Mengen in seinem unterirdischen Nahrungsspeicher ein. Um auf Nummer sicher zu gehen, dass die Regenwürmer nicht wieder das Weite suchen und aus dem Nahrungsspeicher entkommen, beißt er ihm die Kopfsegmente ab. So werden die Regenwürmer bewegungsunfähig und können nicht mehr entkommen. Dies sichert dem Maulwurf den Nahrungsvorrat für den Winter. In manchen Maulwurfsbauten sind schon bis zu 800 Regenwürmer gefunden worden. Regenwürmer sterben in der Regel nicht, wenn ihnen der Maulwurf den Kopf abbeißt.

Sollte doch einmal ein Regenwurm sterben, so verliert der Maulwurf das Interesse daran und frisst ihn auch nicht mehr. Neben Regenwürmern verspeist der Maulwurf auch gerne Engerlinge oder Drahtwürmer.

Der Tagesablauf des Maulwurfs

Einen Teil des Tags verbringt der Maulwurf damit, sein Grabensystem auszubauen oder die bestehenden Gänge zu erhalten. Mit seinen Vorderpfoten lockert er die Erde auf und trägt diese Schicht für Schicht ab. Durch seine Laufbewegungen wird die abgetragene Erde hinter ihn befördert und entweder an die Wände der Gräben gedrückt oder als Aushub an die Erdoberfläche befördert. Hierbei entstehen die charakteristischen Maulwurfshügel. In der Regel legt ein Maulwurf alle 50 bis 100 Zentimeter einen Hügel an. Das lockere Erdmaterial, aus dem die Hügel bestehen, hat auch einen wichtigen Zweck zu erfüllen. Sie dienen der Belüftung des unterirdischen Grabensystems. Hierdurch kann Sauerstoff in die Gänge eindringen und Kohlendioxid aufsteigen und aus dem System entschwinden.

Um sich nach seinen Streifzügen auf der Suche nach Nahrung und der Erweiterung seines Grabensystems zu erholen, verfügt der Maulwurfsbau über eine Nesthöhle. Diese ist mit Holz und Blättern wärmespeichernd eingerichtet und hierin kann sich der Maulwurf zur Erholung zurückziehen. Während seiner drei relevanten Aktivitätszeiten ist er in den Gängen unterwegs. In den sich anschließenden Ruhephasen sammelt er in den Nesthöhlen neue Energie für die nächste Aktivitätsphase.

Sozialverhalten

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Auch wenn es unglaublich erscheint: Diese Hügel sind das Werk eines einzigen Maulwurfs.

Der Maulwurf ist fast ausschließlich ein Einzelgänger. Einzig in der Zeit von Februar bis Mai, der Paarungszeit, begibt er sich in die Gesellschaft anderer Maulwürfe, da er ein Weibchen zur Paarung finden muss. Dies sucht er ebenfalls wieder unterirdisch. Dies ist bei Gartenbesitzern vor allem daran zu erkennen, dass Maulwürfshügel vermehrt auftreten. Er erweitert sein Grabensystem und muss hierbei neue Hügel anlegen, die das System belüften und einen Lagerort für das ausgehobene Material darstellen. Dabei muss das Maulwurfmännchen den richtigen Zeitpunkt erwischen, um ein Weibchen zu finden.

Diese sind pro Jahr nur ca. 30 Stunden paarungsbereit. Nach dem Akt sichert der Maulwurf sich die Weitergabe seines eigenen Genmaterials, indem er das Weibchen mit einem Pfropfen verschließt und sich somit kein anderes Männchen mit ihr paaren kann. Etwa vier Wochen später gebiert das Weibchen drei bis vier Junge, die als Nesthocker ohne Fell auf die Welt kommen. Nach etwa vier Wochen verlassen sie das Nest der Mutter und suchen sich ein eigenes Revier. Da die Jungen in dieser Zeit das erste Mal auf eigene Faust unterwegs sind und sich ein neues Revier suchen müssen, ist die Sterblichkeit hier auch am höchsten. Die Maulwurfjungen sind den Fressfeinden nahezu schutzlos ausgeliefert.

Die Sinne des Maulwurfs

Entgegen der weitläufigen Annahme ist der Maulwurf nicht vollständig blind, obwohl er fast sein ganzes Leben ohne Tageslicht verbringt. Maulwürfe sehen zwar nur sehr beschränkt, können jedoch Umrisse und Unterschiede in der Helligkeit wahrnehmen. Entsprechend der eingeschränkten Sehfähigkeit sind die anderen Sinne stärker ausgeprägt. Besonders wichtig sind das Hören und das Tasten. Über seine Ohren kann der Maulwurf über weite Strecken wahrnehmen, wo ein potentielles Beutetier in seine Gräben eindringt und wann er auf die Jagd gehen kann. Unterstützt wird er hierbei durch seine Nase, die ihm zusätzlich den Weg zum Beutetier weist. Der Maulwurf kann seinen Weg ohne Licht und mit eingeschränkter Sehfähigkeit nicht sehen, jedoch ertasten. Dazu bedient er sich der Tasthaare an seinem Kopf, mit denen er sich in seinen Gängen orientiert.

Kurz zusammengefasst

  • Der Maulwurf ist ein Einzelgänger, der ein ca. 2.000 m² großes Areal bewohnt.
  • Seine Nahrung ist ausschließlich tierischer Natur, Pflanzen verspeist er nicht.
  • Um sein weiterzweigtes Tunnelsystem zu bauen, wirft er die Hügel an der Oberfläche auf.
  • Steht unter Naturschutz (Weitere Infos zum Vertreiben)